A wie Arbeitsunfälle und Arbeitslosigkeit um 1880
„Arbeitsunfälle, die sich in den Industriebetrieben ereigneten, wurden von der Presse ausdrücklich behandelt, weil die Industrieeinrichtungen noch neu und relativ unsicher waren. Berichte erschienen allerdings nur, wenn das Unfallopfer ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Von schweren Brandwunden ist die Rede, die tötliche Folgen haben und zu einem gerichtlichen Nachspiel führten. (…)
In einem anderen Fall klagte ein unfallgeschädigter Fabrikarbeiter gegen seinen Fabrikherren auf Entschädigung. Der Kläger gewann in erster Instanz 'und der Verklagte wurde zur Zahlung einer jährlichen Entschädigung von 150 M. vom März 1880 an und in bedeuteten Kosten verurteilt.'
Nicht immer kamen Menschen zu Schaden, was meist auf den Zufall zurückgeführt wurde, etwa als 'in einer Fabrik im Bilker Felde … abermals ein Schwungrad auseinanderflog, oder nachts in Rath die neuen Gebäudlichkeiten des Lennartz'schen Ringofens' einstürzten. Häufig fallen Leute vom Gerüst, werden bei Kesselexplosionen Arbeiter verbrüht, oder kommen bei Gasexplosionen zu Schaden. Da es gerade bei angelernten Arbeitern eine große Arbeitslosigkeit gab, waren die Leute froh, relativ gut bezahlte Arbeit in der Fabrik zu haben, und an Streik für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz wurde daher nicht gedacht. Waren sie eingearbeitet beziehungsweise angelernt, so konnten Handwerker zum Industriearbeiter oder Werkmeister aufsteigen. Derart qualifizierte Kräfte – zum Beispiel: Schweißmeister, Walzmeister, Dreher, Vorzeichner et cetera. - suchte die Firma Friedrich Krupp durch häufige Annoncen nach Essen abzuwerben.
Wer nur geringe oder gar keine Ausbildung hatte, war eher von Arbeitslosigkeit bedroht. Gerade die ungelenke Sprache der 'Düsseldorfer Arbeiterzeitung' läßt die Angst vor Arbeitslosigkeit spüren: 'Die neuerliche Mitteilung, daß im Etablissement von Haniel & Lueg gegen 40 Arbeiter brodlos werden, resp. theilweise schon geworden sind, hat sich leider bestätigt. Es ist auch in vielen anderen Geschäften eine derartige Flaute eingetreten, daß der Ausblick in den bösen Winter ein recht trauriger ist.'
Den Armen blieb bei Kälte oft nur eine Arbeits- und Verdienstmöglichkeit: fror der Rhein zu, so konnte das Eis den Brauereien angeliefert werden.“
Andreas Kuntz: Texte zur Zeitgeschichte – Düsseldorf vor 100 Jahren,
WI-Verlag Düsseldorf, 1982, Seite 22 ff
B wie Berluto Schwimmerhahn Gesellschaft Ludwig & Co. -
Das Rheinische Armaturenwerk von der Lichtstraße
Das wunderschöne Industriegebäude im Hinterhof an der Lichtstraße 52 war mir schon vor vielen Jahren aufgefallen, als ich mit Freunden auf dem rückwärtigen Balkon im Vorderhaus saß. Die bewegte Geschichte dieses Gebäudes wurde mir aber erst nach der Flingeraner Hinterhoftour von Kabawil am 25.09.2024 klar.
Ehemalige oder neue Nutzer:innen zeigten uns verschiedene ehemals handwerklich, industriell oder bäuerlich geprägte Orte im Herzen von Flingern.
Bei der Recherche habe ich die heute noch in Tönisvorst am Niederrhein existierende Berluto Armaturen-Gesellschaft gefunden, die auf ihrer Homepage stolz ihre Geschichte der Metallgießerei und Armaturenfabrik erzählt und dort historische Dokumente präsentiert. Darunter ist auch eine alte Ansicht des Firmengebäudes an der Lichtstraße. (K. Michels)
„100 Jahre Innovation, Zuverlässigkeit & Qualität.
Die Berluto Amaturen-Gesellschaft blickt auf eine über 100-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Heute sind wir ein mittelständiger Hersteller hochwertiger Regelarmaturen, wie Druckreduzier-, Überström- und Schwimmerventile für den Einsatz in Gebäuden und in industriellen Anwendungen.
1917: Jean Bergner hat eine Idee...
Der Düsseldorfer Installateur Jean Bergner ärgerte sich schon länger über die häufig nicht zuverlässig arbeitenden Schwimmerventile für Toilettenspülungen und dachte über Abhilfe nach. Am 31. Juli 1917 erhält er dann das Deutsche Reichspatent für seine besonders robuste und zuverlässige Konstruktion eines neuartigen Schwimmerventils.
1920: Die Firma „Berluto“ entsteht...
Um seine Erfindung zu produzieren und zu vermarkten gründet Bergner 1920 zusammen mit dem Kaufmann Ludwig und dem Installateur Toeller die „Berluto Schwimmerhahngesellschaft Ludwig und Co.“. Die Bezeichnung „Berluto“ ist also eine Abkürzung für die Namen der Gründer „Bergner-Ludwig-Toeller“.
1924: Die „Berluto Armaturen AG“ wird gegründet...
Im Jahr 1924 entstand daraus unter dem Vorsitz von August Bender die „Berluto Armaturen Aktiengesellschaft“, deren Anteilseigner zahlreiche Installateure aus dem Köln-Düsseldorfer Raum waren; bald schon erhielt die Firma den Beinamen „Rheinisches Armaturenwerk“. Zum Produktionsspektrum gehörten überwiegend Schwimmerventile und Schwimmer, Spülkästen, Druckspüler und Anbohrarmaturen.
1953: Umwandlung in eine GmbH...
1953 wurde die AG in die heutige GmbH umgewandelt. In den Folgejahren wurde die Produktpalette durch die Entwicklung von Sicherheitsventilen, Druckminderern und Filtern erweitert.
1977: Umzug nach Tönisvorst am Niederrhein...
Im Jahr 1977 wurde in Tönisvorst (Niederrhein) eine neue Armaturenfabrik errichtet und der Firmensitz von Düsseldorf dorthin verlegt.
Heute: Innovative Technologien und flexible Produkte für die Industrie...
Heute verfügt Berluto über eine moderne Entwicklungs- und Fertigungsstätte in Tönisvorst am Niederrhein. Rechnergestützte Entwicklungsmethoden mit direkter CAD/CAM-Anbindung erlauben eine flexible Fertigung mit gleichbleibend hoher Präzision und geringen Durchlaufzeiten. (...)
Neben der Herstellung von Gebäudearmaturen wurde in den letzten 10 Jahren die Entwicklung und Produktion von Industriearmaturen erheblich investiert und erweitert.
Das Unternehmen wird bis heute – bereits in der vierten Generation – von Nachkommen der Gründer geführt.“ (www.berluto.de)


D wie Dorotheenheim
Das Dorotheenheim finden wir in Flingern an der Dorotheenstraße 85, unmittelbar neben dem S- Bahnhof Flingern.
„Dorotheenheim – diesen Ort der Fürsorge in Düsseldorf schuf die Evangelische Kirche zwischen 1910 und 1928. Er befindet sich zwischen zwei Schlagadern der Stadt – einer Eisenbahnlinie und der Dorotheenstraße. Die Idee, ein soziales System als Basis für menschliche Entwicklungschancen zu schaffen, hat sich seit über einhundert Jahren bewährt. Namensgeberin dieses Ortes ist die heilige Dorothea. Sie steht für den unzerstörbaren Kern des Lebendigen, ihr Attribut ist ein Korb mit Blumen und Früchten.
Unter Obhut des Evangelischen Frauen-Asylvereins bot das Dorotheenheim zunächst Frauen und Mädchen Unterkunft und Arbeit, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befanden. Und eröffnete ihnen – auch durch die Möglichkeit, eine Ausbildung zu machen – Perspektiven. Es bestand aus dem Vorderhaus an der Dorotheenstraße sowie drei Hinterhäusern. Hier waren eine Dampfwäscherei, eine Weißnähwerkstatt sowie ein Säuglingsheim mit staatlichem Säuglingspflegerinnenseminar untergebracht. Vorderhaus und Haus 2 verband ein unterirdisches Transportsystem.
Im Laufe der Jahre hat das Dorotheenheim viele unterschiedliche, jedoch stets soziale Nutzungen erfahren. Seit mehreren Jahrzehnten dient das Vorderhaus als städtische Obdachlosenunterkunft. Die drei Hinterhäuser wurden in den Jahren 2017/18 abgerissen und machten der Weg frei für ein neues Bebauungs- und Nutzungskonzept – die Dorotheenhöfe. Im Rahmen diese Konzepts entstehen drei nah beieinanderliegende Wohnhöfe für Familien, Obdachlose und Singles. Dem Architekten Michael Krey gelang es mit viel Fingerspitzengefühl und Engagement die Stadt und den Investor für diese Architekturfassung zu gewinnen. Mit ihr führt er den sozialen Gedanken der integrativen Öffnung in unsere Zeit.
Die Obdachlosenunterkunft im Vorderhaus wird derzeit kernsaniert und um den neuen, zur Straße hinauskragenden Teil sowie einen Gebäudeteil im hinteren Bereich erweitert. Als neue geschaffene Einheit mit eigenem Hof bietet sie auch erstmals barrierefreie Räume sowie Ein-Zimmer-Apartements. In das Vorderhaus zieht eine Notschlafstelle ein. Dass mit den Dorotheenhöfen Neubauten für Obdachlose errichtet werden, ist ein Novum in Düsseldorf. Und der Ausdruck einer gesellschaftlichen Haltung, die ein Zeichen des Respekts setzt.“
Text aus: Ausstellungskatalog – Installation Dorotheenheim, S. 54
Christel Blömeke und Verlag Kettler, Dortmund, 2021
Regina Schneider, Geschichtswerkstatt Düsseldorf
E wie Eulerhof
„Der Eulerhof, ursprünglich Eulers-Gut genannt, war von Notar Joseph Euler (1804 - 1886), Stadtverordneter und Mitglied der preussischen Nationalversammlung, außerhalb des Stadtgebiets von Düsseldorf als Sommersitz der Familie angelegt worden.
Unter seinem Sohn Otto Euler (1835 – 1925), Geheimer Justizrat und als Stadtverordneter Vorsitzender der Zentrumspartei, wurde der Eulerhof zu einem weithin bekannten Mittelpunkt von Künstlern und Gelehrten. Der Enkel des Erbauers, der Maler Eduard Euler verkaufte parzellenweise nach dem 1. Weltkrieg das Grundstück.
In den 20er Jahren wurde der Eulerhof von den Straßen begrenzt, die heute folgende Namen haben: Im Osten Degerstraße, im Süden Flurstraße im Westen Dorotheenstraße und im Norden Lindenstraße. Die nähere Umgebung war dünn besiedelt und zum größten Teil noch landwirtschaftlich genutzt.
1923 bezogen vier Franziskanerinnen, die im Liebfrauenkrankenhaus tätig waren, den Eulerhof an der Lindenstraße 199, der daher das 'Liebfrauenkloster' genannt wurde. Vereine der Pfarrgemeinde Liebfrauen, insbesondere die Jünglingskongregation, hatten damals in der Villa mit dem großen Park ihr festes Domizil, bis das Gebäude 1927 von der Stadt abgerissen wurde. Kurze Zeit danach entstand der Gebäudekomplex, der heute noch Eulerhof genannt wird.“
Quellen: Stadtarchivdirektor Dr. Weidenhaupt, A. Stötzel,
Als Schreibmaschinentext „Pfarrgemeinde Liebfrauen“ gefunden von K. Michels im Nachlass des Klosters Christi Hilf
„Ein gelungenes Beispiel städtischer Wohnungspolitik finden wir im Bereich Degerstraße-Lindenstraße-Dototheenstraße: den inzwischen denkmalgeschützten Eulerhof aus den Jahren 1926 bis 1928, leicht zu erkennen an den dunkelrot geklinkerten und hell verputzten 'Querstreifen'. Die Architekten Hermann und Walter vom Endt sowie Josef Kleesattel entwarfen ihn im typisch funktionalistischen großstädtischen Stil der 20er Jahre. Wegen seiner sozialen Einrichtungen galt der Eulerhof als vorbildlich: So gab es im Innenhof unter anderem einen Kinderhort und einen Spielplatz, ein Waschhaus und eine Badeanstalt. Sie wurden im Lauf der Zeit teils abgerissen, teils zweckentfremdet.“
Almut Knaak, Rundgang 10, Durch Flingern,
aus Udo Achten: Düsseldorf zu Fuß, VSA- Verlag, Hamburg 1989, S. 175
F wie Flinger Broich – Sumpf, Industrie, Kleingärten und Sportvereine
Als wir nach intensiven Recherchen im Dezember 2025 zum Ende des doppelten Jubiläumsjahres (130 Jahre Fortuna, 95 Jahre Flinger Broich) die Informationsstele zur Fortuna am Nachwuchsleistungszentrum NLZ gesetzt und enthüllt hatten, war uns klar, dass wir die Ergebnisse unserer Nachforschungen und die in Archiven und der Literatur gefundenen Artikel, die über dieses ehemalige Sumpfgelände und die später dort entstanden Betriebe, Sport- und Kleingartenvereine berichten, unbedingt dokumentiert sollten.
Die Fülle der Informationen über den Boxring e.V., über die Hebezeugfabrik De Fries/HADEF, die Ringofenziegelei Kürten, den Schreber-Verein, die Freien Schwimmer von 1910, dem Verein Deutsche Jugendkraft Rheinfranken, die Fußballvereine Alemannia 08 und Fortuna, den „Kartellplatz“ der Turner, den St. Rochus- St. Sebastianus Schützenverein Flingern von 1868, den Eisenbahner Sportverein Blau Weiß von 1926 und das BBZ, das Berufsbildungszentrum der Arbeiterwohlfahrt haben uns dann doch überrascht.
Das Stadtmarketing bezeichnet diese Straße, die früher Behrenstraße und Grabenstraße hieß, heute als „Sportpark“ oder „Sportmeile“. Sie steht jedoch für vieles mehr. Wir versuchen im Folgenden etwas genauer hinzuschauen und das, was wir recherchiert und von den z.T. heute noch existierenden Vereinen erfahren haben, im historischen ABC unterzubringen.
Wir werden nach und nach diese Infos hier einstellen. Zu den Themen Fortuna (Flinger Broich 87) und Schützenverein (Flinger Broich 3) verweisen wir auf die Texte der schon am Flinger Broich aufgestellten beiden Stelen 17 und 19. Auf der geplanten Stele Nr. 18 werden wir die Themen Hebezeugfabrik und AWO (Flinger Broich 12) und auf der Stele Nr. 15 das Thema Ziegelindustrie (Ringofen Kürten, Flinger Broich 80) ausführlich darstellen. K. Michels - Mai 2026

Auf einer preußischen Karten von 1843/44 sehen wir, das der „Flingerbroich“ weit im Osten die Grenze von Flingern bildete. Daran schließt sich ein großes Sumpfgebiet an, das bis zum Gerresheimer „Torfbruch“ reicht. Während wir auf der Karte im westlichen Flingern Hinweise auf sieben Ziegeleien finden, ist im Osten eine Bebauung nicht zu erkennen.
„In dieser rauen, unwirtlichen Gegend östlich des Rheins entstand das Dorf Flingern, wo ein ehemaliger Rheinarm noch Spuren wie Brüche, Geesten oder Lachen hinterlassen hat. Der Name Flingern bedeutet - mit verschiedenen Schreibweisen wie 1122:
Fli`ingeren, 1218: Vleingeren, 1322: Vleyngerin - so viel wie ‚bei den Anwohnern des alten Flusses’. (...) Bedeutende Verkehrswege führen seit der Gründung der Stadt Düsseldorf (1288) gen Osten ins Bergische Land. Seit den 1870ern besteht die Eisenbahnstrecke, an deren Nordseite der Flinger Broich entlangführt. (...) Auf von Eisenbahngesellschaften nicht benötigtem Land entlang der Gleise entstanden neben Sportplätzen auch Schrebergärten mit Gaststätten. (...) 1937 sind bereits 9 Sportplätze verschiedener Vereine und ein Schwimmbad entlang der heutigen ‚Sportmeile‘ Flinger Broich eingezeichnet.“ (Th. Bernhardt)

Boxring Düsseldorf 1946 e.V. Flinger Broich 5
„Am Flinger Broich 5 hat sich der Boxring Düsseldorf 1946 e.V. niedergelassen. Der Verein ist relativ neu in Flingern, obwohl er bereits seit 1946 besteht. Einer der Gründerväter war Heini Heese, der später als Trainer der berühmten Boxring-Staffel einen legendären Ruf hatte. In seiner aktiven Laufbahn verlor der Leichtgewichtler bei den Amateuren von 428 nur 18 Kämpfe. Anfangs boxte der Verein in der Ritterstraße in der Düsseldorfer Altstadt. Mit Manfred Homberg und Egon Schidan, beide Boxer der deutschen Nationalstaffel, feierte er seine größten Erfolge. Manfred Homberg gewann die Europameisterschaft 1957, war Olympiateilnehmer 1960 in Rom und Deutscher Meister 1958, 1959 und 1961. Egon Schidan nahm an der Olympiade 1952 in Helsinki teil und war 1951,1952 und 1953 Deutscher Meister.

In den Jahren nach 2000 hatten die Brüder Schidan, die Söhne des Boxers Egon Schidan, dann die Vision, eine Halle als Zentrum für den Düsseldorfer Boxring zu errichten. Hierfür wurde ein geeignetes Grundstück gesucht und schnell wurde man fündig. Die Fläche neben dem ehemaligen Fußballplatz der Alemannia 08 erwies sich als ideal: gute Verkehrsanbindungen mit ausreichenden Parkmöglichkeiten bei Boxveranstaltungen. Und so wurde zwischen 2002 und 2003 dann die Frankenheimhalle errichtet.
Heute versucht der Boxring Düsseldorf an seine alten Erfolge anzuknüpfen. Trainer Ralf „Printe“ Krompaß, der mit über 130 Kämpfen in seiner aktiven Laufbahn ein sehr erfahrener Kämpfer ist, baut zurzeit eine schlagkräftige Mannschaft auf. Mit dem Amazonencup, einem Frauenturnier mit weltweit hoher Beachtung, internationalen Städtekämpfen und diversen Turnieren wird in Flingern wieder erstklassiger Boxsport geboten. (...)“
Bärbel Hanenberg-Kranz, Flingern Kiez, Kunst & Kultur, Droste, 2011 S. 41/42
KGV Kleingärtnerverein Kolonie e.V. Flinger Broich 24
„Nachdem im Jahr 1938 eine Düsseldorfer Ziegelei (vermutlich der Ringofen Kürten, Anm. K. Michels) aufgegeben worden ist, wurde damit begonnen auf deren Gelände einen Ausbildungsgarten, bestehend aus 2 Gärten und einer Schulbaracke, einzurichten.
Nach dem Krieg wurde das Gelände neu aufgeteilt, indem die Schulgärten verkleinert wurden und auf dem freiwerdenden Gelände zunächst 35 einzelne Parzellen eingerichtet und ein Geräteschuppen errichtet wurde. In den sechziger Jahren wurde das Gartengelände an das öffentliche Stromnetz angeschlossen und gleichzeitig der Schulbetrieb aufgegeben. Das nun freiwerdende Gelände der Schulgärten wurde in neue Parzellen eingeteilt und die ehemalige Schulbaracke zu einem 1. Vereinshaus umgebaut. Wegen der steigenden Mitgliederzahl wurde das bisherige Vereinshaus zum Clubhaus in seiner heutigen Form umgebaut und an moderne Standards angepasst.
Zusätzlich wurde die Terrasse überdacht und zu einem Wintergarten ausgebaut.“ (Homepage KGV Kolonie)
Deutsche Jugendkraft Rheinfranken 1908 e.V. Flinger Broich 87

„Das Foto aus dem Jahr 1931 oder 1932 zeigt eine bunte und gut aufgelegte Truppe, die am Flinger Broich den Sportplatz für den 1908 gegründeten Verein DJK Rheinfranken auf einem wilden Acker baut. Exemplarisch für mehrere andere Sportvereine sieht man die Vereinsmitglieder, die auf dem ehemaligen Sumpfgebiet am Flinger Broich in Eigenleistung eine sportliche Spielstätte errichten.
Direkt in der Nachbarschaft hatte Fortuna sein Stadion aufgebaut, das heutige Paul-Janes-Stadion.

Rheinfranken fusionierte 2003 mit dem Verein Alemannia 08 Düsseldorf zur DJK SC Flingern 08. Dieser Verein wurde 2013 nach Insolvenz aufgelöst. DJK steht für Deutsche Jugendkraft.“
(Heute befindet sich hier das Nachwuchsleistungszentrum der Fortuna. K.Michels)
Thomas Bernhardt, Düsseldorf-Flingern in historischen Fotografien, Sutton Archiv, 2017, S. 67
Ein deutscher Nationalspieler hat als Jugendspieler seine Fußballerkarriere in der Jugendabteilung der Rheinfranken begonnen. Felix Zwolankowski (12. Juli 1912 – 26. November 1998) durchlief dort alle Jugendmannschaften, bevor er 1932 zu der
benachbarten Fortuna wechselte und dort ein Jahr später schon Teil der Meistermannschaft wurde. In den Jahren bis 1942 gehörte der flinke Stürmer zur Mannschaft und schoss in 36 Endrundenspielen um die Deutschen Meisterschaft 10 Tore. 1940 wurde er in die Nationalmannschaft berufen. Verletzungsbedingt beendete er 1949 zwar seine Spielerkarriere, arbeitete danach aber bei verschiedenen Vereinen als Trainer weiter.
K. Michels, Infos aus: f95.de/historie, wikipedia, Datenbanken DFB und weltfussball.de
Schreber-Verein Düsseldorf Flinger Broich 80
„Wie wichtig in dem dicht besiedelten und armen Stadtteil Flingern ein eigenes Stückchen Erde zu Beginn des 20. Jahrhunderts war, zeigt der Kleingartenverein am Flinger Broich. 100 Jahre Schreber-Verein Düsseldorf, das ist eine Erfolgsgeschichte, die der Verein 2010 feiern konnte. Zwei Weltkriege, eine sich verändernde Gesellschaft und viele behördliche Stolpersteine hat er überlebt. Sein Erfolgsrezept: Zusammenhalt, kollektive Zielsetzung, Gemeinschaftsarbeit und die Liebe zur eigenen Scholle.
Als sich vor 100 Jahren 60 Familien in Flingern zusammenschlossen, mit den damaligen Eigentümern Kürten und Possber-Erben einen Pachtvertrag unterschrieben, um auf einem stillgelegten Ziegeleigelände am Flinger Broich einen Kleingartenverein zu gründen, konnten sie sich endlich einen Traum erfüllen, mit einem eigenen Garten zur Versorgung ihrer Familien beizutragen. Ein eigenes Stückchen Land zu besitzen bedeutet zur damaligen Zeit, unabhängig von Angebot und Preisen zu sein. Das wurde vor allen Dingen in den Hungerjahren während und nach den beiden Weltkriegen deutlich und ist bis heute in den nachfolgenden Generationen lebendig geblieben.
Aber ein Schrebergarten, so wie wir ihn heute kennen, war damals undenkbar. Jedes Stückchen Erde wurde zur Bearbeitung und Bepflanzung genutzt. An Stelle einer Gartenlaube gab es einen kleinen Verschlag, um die Gartengeräte unterzubringen.
Bereits 1913 waren die anfänglich 60 Parzellen auf 147 angewachsen und 1920 wurde die heutige Größe von 234 Gartenrundstücken erreicht.

Ein hartes Stück Gemeinschaftsarbeit bedeutete es, das ausgebaggerte und wieder zugeschüttete Gelände urbar zu machen, das zum damaligen Zeitpunkt als Weideland für Pferde und Rinder genutzt wurde. Es war von zahlreichen Tümpeln übersät und von Brombeerhecken, Holundersträuchern, Schilf und Arnika bewuchert. Die Familien umzäunten das Grundstück, steckten Parzellen ab, erschlossen Wege und bauten ein kleines Vereinshaus. Das wurde im Laufe der Jahre durch ein größeres ersetzt und mit einer Festwiese beliebter Treffpunkt. 1929 gab es die erste Vollkonzession für Getränke und Speisen.
Und dann, 1944, vernichtete ein Luftangriff auf Düsseldorf alles bis dahin mühsam Erreichte. Viele Familien, die sich zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Gelände aufgehalten hatten, verloren ihr Leben; das Vereinsheim und die Gärten wurden zerstört.
Trotz dieses Rückschlags hielten die Familien zusammen und bauten nach Kriegsende ihre Gartenanlage wieder auf. Da musste schon viel Improvisationstalent aktiviert werden. Denn Baumaterial war zum damaligen Zeitpunkt knapp. Noch heute gehören 100 Parzellen den Nachkommen ehemaliger Gründungsmitglieder, was für das Gemeinschaftsinteresse und die Verbundenheit mit dem Verein zeugt. Und wenn auch
die Gartenanlage am Flinger Broich keine öffentliche Grünanlage ist, so ist sie doch Teil der grünen Lunge Flingerns.“
Bärbel Hanenberg-Kranz, Flingern Kiez, Kunst & Kultur, Droste, 2011, S. 35 ff
Sportverein Freie Schwimmer Düsseldorf 1910 e.V. Flinger Broich 91/101
„Heute erinnern sich nur noch wenige daran, dass das Allwetterbad früher der Spiel- und Sportvereinigung Freie Schwimmer Düsseldorf 1910 e.V. gehörte, einem Verein, der aus der Arbeitersportbewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Aufhebung des Sozialistengesetzes im Wilhelminischen Kaiserreich entstanden ist. Als 1911 das Grundstück Flinger Broich 91 gekauft wurde, um darauf eine Volkssportanlage mit
Vereinsheim, Schwimmbad mit Umkleidekabinen, Sportplatz und Tennisplätzen zu errichten, hatte dieser Verein zum ersten Mal einen eigenen Wohnsitz. Geübt wurde zu seiner Gründungszeit nämlich im Rhein, denn den Arbeitersportlern war der Zugang zu den städtischen Hallenbädern verboten – die standen nur dem Bürgertum offen. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, in der Weimarer Republik, konnten die Schwimmer auch in
den Hallenbädern an der Grün- und Münsterstraße Übungsstunden organisieren. In dieser Zeit erweiterte sich der Verein um eine Handball- und Ruderabteilung mit eigenem Bootshaus am Rhein und einen Rettungsschwimmerdienst. 1930 wurde er in Sportverein Freie Schwimmer Düsseldorf 1910 e.V. umbenannt. Er war mittlerweile mit 1200 Mitgliedern zu Deutschlands größtem Schwimmverein herangewachsen und hatte neben
der Schwimm- Leichtathletik-, Kriegsbeschädigten-, Jugend-, und Ruderabteilung sogar einen eigenen Musikzug. Zwischen 1925 und 1932 wurden die Wasserballer vier Mal Westdeutscher Meister, die Schwimmer errangen zwölf westdeutsche Meistertitel und mehrere Sportler des Vereins nahmen 1925 in Frankfurt am Main und 1930 in Wien an Arbeiter-Olympiaden teil. Bis 1932 riskierten die Rettungsschwimmer 400 Mal ihr Leben,
um Menschen aus dem Rhein zu bergen.
Lange Zeit Freude an dem 1932 fertig gestellten Vereinsgrundstück am Flinger Broich hatten die Freien Schwimmer nicht. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde 1933 das gesamte Vereinsvermögen beschlagnahmt, das Vereinsarchiv mit sämtlichen Urkunden und Ehrenpreisen verbrannt, das Schwimmbecken zum Schießstand umfunktioniert und der Sportplatz zum Exerzieren benutzt. 1934 wurde der
gesamte damalige Vorstand wegen „Gründung bolschewistischer Zellen“ verhaftet und 1939 auf der Liegewiese des Schwimmbades eine Flakbatterie errichtet.
Es war klar, dass der Verein in den Fokus der neuen Machthaber geraten würde. Als Mitglied im Arbeiter-Schwimmerbund gehörte er zur großen Arbeitersportbewegung, die eng mit der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, der dritten Säule neben SPD und Gewerkschaften, verbunden war und gleichermaßen von SPD und KPD beeinflusst wurde, zwei Parteien, die unter den Nationalsozialisten verboten waren.
Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte sich der Verein neu organisieren. 1946 wurde er vom neuen Vorstand in Spiel- und Sportvereinigung Freie Schwimmer Düsseldorf 1910 e.V. umbenannt und das Vereinsgelände mit Sportplatz und eigenem
Schwimmbad neu aufgebaut, das nach erneutem Umbau 1976 als Allwetterbad eröffnet wurde. Obwohl die Sportvereinigung auch nach dem Zweiten Weltkrieg viele nationale und internationale Sportmeriten erlangen konnte, geriet sie immer mehr in eine finanzielle Schieflage, was 1994 zur Abgabe des Allwetterbades an die Düsseldorfer Bädergesellschaft führte. Im Gegenzug erlosch eine Steuerschuld von 1,4 Millionen
Deutsche Mark.“ (B. Hanenberg-Kranz a.a.O)
Eisenbahner Sportverein „Blau Weiß“ 1926 e.V. Flinger Broich 189 - 191
Wer aus unserer Stadtgesellschaft kennt wohl diesen sehr gut versteckten historischen Ort: „Am Gleisdreieck - Abzweig Fortuna“?
Ich wohne in der Nachbarschaft und habe oft in der Abendsonne auf den zugewachsenen Steinstufen der 1929/30 gebauten ESV Tribüne, einem morbiden „Relikt vergangener Fußball – Zeiten“ gesessen, über den alten Aschenplatz geschaut und den ratternden Güterzügen in diesem Gleisdreieck zugehört.
„Heute sind wir einer der letzten Roten Plätze in Düsseldorf“. (Home ESV“)
Und dann fahren wir im Aufstiegsjahr 2012 mit 1200 Fußballfans der Fortuna in 2 uralten Sonderzügen genau über diese alte Güterzugstrecke und den „“Abzweig Fortuna“ zum Relegationsspiel gegen die Hertha nach Berlin... Wunderbar!
Der Eisenbahner Sportverein Düsseldorf ist Teil der historischen Eisenbahner Sportbewegung in Deutschland, die in den 1920er Jahren als „Interessengemeinschaft von sportbegeisterten Eisenbahnern“ entstand, um auch Schichtarbeitern Sportmöglichkeiten zu bieten. Die Wurzeln liegen in den Turn- und Sportvereinen der Deutschen Reichsbahn. Der Dachverband VDES (Verband Deutscher Eisenbahner Sportvereine) wurde am 7. März 1926 als „Bund der Deutschen Reichsbahn – Turn und Sportvereine“ gegründet.
Im Jahr der Ausstellung GESOLEI (Gesundheit, soziale Fürsorge und Leibesübungen), die von Mai bis Oktober 1926 am Düsseldorfer Rheinufer stattfand, gründeten sich viele Sportvereine. So auch der Eisenbahner Sportverein „Blau Weiß“ 1926 Düsseldorf e.V.
Die Gründungsversammlung fand am 20. August 1926 im damaligen Wartesaal des alten Düsseldorfer Hauptbahnhofes statt. „Die Fußballer gründeten den Verein. Der Reihe nach kamen die heute noch bestehenden Abteilungen Kegeln, Tennis, die Sportschützen und Angeln hinzu. Noch ganz jung und im Aufbau ist die neue Tischtennisabteilung, ebenfalls im Hauptbahnhof. Das ist gelebter Breitensport erfolgreich bis auf Bundesebene.“ (Home des ESV)
Ab 1928 haben die Blau – Weißen angefangen, das Gelände spieltauglich herzurichten.
1929/30 wurde die Sportanlage „Am Flinger Broich 189“ inklusive der Tribüne und des Vereinsheims gebaut.
„Der Krieg brachte wie überall den Sportbetrieb zum Erliegen. Neuanfang 1947, die `Alten Herren` der Fußballabteilung wurden mit ihrem Engagement zum Rückgrat des Vereins. Vier kickende Brüder – Toni, Josef und Stani Koslowski – machten den Verein überregional bekannt. 1954 ... spuckten die Blau – Weißen in die Hände erweiterten ihr Vereinsheim und bauten unter anderem jene 1930 errichtete Tribüne, die heute noch an
ihrem Platz steht, mit Umkleiden und Duschen in den Katakomben aus.“ ( aus Rhein.Post 12.10.2016)

Die Fußballabteilung des ESV war in den 1950er Jahren das Aushängeschild des Vereins und schafften es wohl bis in die damalige Bezirkslige. Die Fußballer spielen noch heute in der Kreisklasse C u.a. gegen die benachbarten Vereine TV Grafenberg, Sportring Eller oder den FC Tannenhof. Neben der aktiven Tennisabteilung gibt es noch die Abteilung „Angeln“ und die Sportschützen, deren Vereinshaus der Verbunt e.V. – Verein für Jugendkunst 2022 mit tollen Wandbildern gestaltet hat.
Seit vielen Jahren finden im Sommer die „Düsselferien“ mit der Kinderzeltstadt (in 2025 - 324 Kinder!) von Flingern – mobil auf dem Gelände der Eisenbahner statt.
Am 20. August 2026 feiert der ESV „Blau – Weiß“ seinen 100. Geburtstag! Herzlichen Glückwunsch. Am 21.08. führt uns ein FlingerPfad - Rundgang über den Flinger Broich bis zum Sportgelände des ESV...
K.Michels - Juni 2026
G wie Geografischer Mittelpunkt von Düsseldorf
Bei Rundgängen im Stadtteil Düsseltal bin ich oft dort vorbeigekommen. In unserem Stadtbezirk 2 liegt in der Hans-Sachs-Straße bei 51°14'12“ nördlicher Breite und 6°48'39“ östlicher Länge der geografische Mittelpunkt der Stadt Düsseldorf. Er ist durch eine Metallplatte im Bürgersteig gut zu erkennen. Die Fläche des gesamten Stadtgebiets beträgt 217,41 Quadratkilometer.
Es gibt verschiedene Methoden, den geografischen Mittelpunkt festzulegen. Eine amtlich oder behördliche Definition darüber ist nicht vorhanden. Es kann der Schnittpunkt eines von Breiten und Längengraden begrenzten Gebietes oder der Mittelpunkt eines Kreises sein, der durch die Stadtgebietsgrenze markiert wird.
Nach der Beendigung von Eingemeindungen und einer Gebietsreform befindet sich dieser Mittelpunkt seit 1980 in unserem Stadtbezirk. (Text und Foto: K. Michels)

G wie Güterzugstrecke 2324 (zwischen Flingern und Gerresheim)
Diese heute noch wichtige Güterzugstrecke führt von Oberhausen bis nach Niederlahnstein am Rhein. Sie erreicht im Norden von Ratingen kommend in Düsseldorf-Rath das Stadtgebiet, streift den Stadtteil Mörsenbroich, durchquert dann die Wohngebiete in Grafenberg, Gerresheim, Flingern, Vennhausen, Eller und Benrath und verlässt in Richtung Hilden den Düsseldorfer Osten.
Wenige Jahre nach der deutschlandweit ersten Eisenbahnstrecke zwischen Fürth und Nürnberg wurde schon im Jahr 1838 von der Düsseldorf- Elberfelder Eisenbahn-Gesellschaft in der damaligen preußischen Rheinprovinz die erste Bahnstrecke in Westdeutschland zwischen Düsseldorf, Erkrath und später Elberfeld eröffnet. Daraus wurde später die Bergisch- Märkische Eisenbahn- Gesellschaft.
In den folgenden Jahrzehnten gründeten sich u.a. die Rheinische- und die Cöln- Mindener- Eisenbahn-Gesellschaft.
In der Zeit der Industrialisierung eröffnete am 18. November 1874 die Rheinische- Eisenbahn-Gesellschaft die Güterzugstrecke 2324 als eine weitere wichtige Nord- Südverbindung, die durch den Osten von Düsseldorf führte. Was damals mit wenigen Dampflockzügen begann, entwickelte sich zu einer Hauptroute entlang des Rheins.
Nachdem die Stadt Düsseldorf ab 1902 ihre neuen elektrischen Straßenbahnen auch über die Bahnkreuzung Staufenplatz bis nach Gerresheim fahren ließ, wurde die Verkehrssituation hier und an anderen Bahnübergängen immer schwieriger. Bis weit in die 1970er Jahre waren die wegen der Güterzüge oft geschlossenen ebenerdigen Bahnschranken unüberwindbare Verkehrshindernisse und führten zu kilometerlangen Staus. Vereinzelt fuhren damals noch Dampflocks auf der Strecke.
Ab 1982 wurde die Strecke zwischen Rath und dem Staufenlpatz in einen 2053 Meter langen Tunnel gelegt. Viele Streckenteile führen aber über erhöhte Bahndämme weiterhin durch die Wohngebiete u.a. auch zwischen Flingern und Gerresheim hindurch. Nach jahrelangen Protestaktionen der Anwohner gegen den Bahnlärm und die Erschütterungen durch die bis zu 5.000 Tonnen schweren Güterzüge wurden die Bremssysteme und und die Strecke in den letzten Jahren an einigen Punkten in der Stadt „nachgerüstet“.
Nach der Fertigstellung des Gotthardttunnels in der Schweiz 2016 und des Ausbaus der nördlichen Betuwe- Linie in den Niederlanden ist die Strecke 2324 heute als Teil des europäischen Hauptkorridors zwischen Genua und Rotterdam die Hauptroute und eine der meistbefahrenen Güterzugstrecken von Nord nach Süd und umgekehrt. „In den nächsten Jahren ist eine hohe Taktverdichtung auf der Strecke geplant. Im Extremfall sind alle drei Minuten Züge auf der Strecke unterwegs, was 480 Züge in 24 Stunden ergeben würde, hatte die Deutsche Bahn auf einer Infoveranstaltung vorgerechnet.“ (Rheinische Post 13.01.2024)
Text: K. Michels
H wie Hungerturm des Trappistenklosters
Der Hungerturm ist in unserem Stadtbezirk eines der wenigen noch existierenden Relikte der bäuerlichen, dörflichen Zeit und ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Er ist wahrscheinlich das älteste Gebäude des Stadtbezirks und liegt in Düsseltal an der Ecke Max-Planck- und Fritz-Wüst-Straße. Jetzt zu Beginn des Jahres 2024 wartet dort hinter dem Turm eine Brachfläche auf eine neue Bebauung. In diesem Hungerturm sollen angeblich zur Zeit von Graf Recke zwei Kinder eingesperrt und verhungert sein.
„Das weiße Türmchen ist der letzte Rest des Trappistenklosters, das Jan Wellem an der heutigen Graf-Recke-Straße ansiedeln ließ. (…) Das Klostergelände erstreckte sich ursprünglich zwischen Gruner-, Mathilden-, Fritz-Wüst- und Max-Plank-Straße. Der Besitz, der dazu gehörte, war noch weitaus größer. So gehörte auch das Gelände des heutigen Zooparks dazu.
In unmittelbarer Nähe des Hungertürmchens liegt hinter einer Backsteinmauer ein winzig kleiner, rund angelegter Friedhof, der älteste Gottesacker in Düsseldorf. Er trägt den schönen Namen Himmelsgarten und ist der Friedhof der ehemaligen gräflichen Rettungsanstalt, von der noch die Rede sein wird.
Von 1707 bis 1803 lebten die Trappistenmönche in dem Kloster ihren Ordensregeln gemäß schweigsam und bescheiden. Ihr Auftrag: Fürbitten für Jan Wellem leisten. Weil damit aber nicht einmal das bescheidenste Auskommen zu erzielen war, stellten die Mönche Schnupftabakdosen her, sogenannte Spekkermönnekesdosen. Spekke heißt Knüppel. Nur auf Knüppeldämmen kam man in dem Sumpfgebiet voran.
Die Mönche legten auch Gärten an, versuchten sich im Ackerbau und schrieben über ihre Pforte 'Wir leben ohne Sorge'. Napoleons Soldaten beeindruckte soviel Gottvertrauen wenig. Im Zuge der Säkularisation vertrieben sie die Mönche. Das Gelände verkam. (…)
1822 kaufte Graf von der Recke-Volmerstein für 45.000 Taler das ehemalige Klostergelände samt der Häuserruinen, die dort noch standen und richtete dort die Rettungsanstalt für gefährdete Kinder ein. Am 19. Juni 1822 zog er mit einer Schar Kinder auf Leiterwagen in die Einrichtung ein. Die Kinder gehörten zu dem Heer eltern- und obdachloser Kinder und Jugendlicher, die damals zu Tausenden durch die deutschen Städte vagabundierten – eine Folge der Befreiungskriege.
Die Not dieser Kinder hatte den Grafen schon früh bewegt. (...) Die Arbeit an gefährdeten Kindern wurde ... zu seiner Lebensaufgabe. (...)
1847 übergab er … die Arbeit in Düsselthal einem Nachfolger.
Im Zweiten Weltkrieg haben englische Bomben den Ort der christlichen Frömmigkeit zerstört.“
Das Werk von Graf Recke besteht als 'Düsseltaler Anstalten' aber bis heute weiter. Auf einem Hofgelände in Einbrungen „entstanden nach der Jahrhundertwende Heime für schulentlassene Jungen und eine Anstalt für Volks- und Hilfsschüler.“ An der Grafenberger Allee wurde aus dem ehemaligen Bauernhof Zoppenbrück eine Einrichtung mit Wohngruppen „zur Wiedereingliederung psychisch kranker Erwachsener in den Alltag.“
Zitate: Regine Hauch, Zwischen Berg und gar nicht tiefem Tal...
in Udo Achten u.a. Düsseldorf zu Fuß, Klartext, 2010, Seite 217 ff
L wie Lagerkosmos Lichtplatz
„Vergessene Welten: Zwangsarbeiter der Firma Haniel & Lueg und der Lagerkosmos rund um den Lichtplatz.
Die Betriebe rund um die Haniel-Garage boten mehreren Generationen lang Arbeitsplätze für Tausende von Menschen. In einem bestimmten, uns hier interessierenden Zeitabschnitt jedoch nicht nur dies: Während des Zweiten Weltkrieges entstand hier ein regelrechter Lagerkosmos, der zum Arbeits- und Lebensmittelpunkt Hunderter ausländischer Zwangsarbeiter wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurden bekanntlich Millionen von ihnen nach Deutschland verschleppt. Sie mussten die auf Hochtouren laufende Rüstungsproduktion aufrecht erhalten. (…)
In Düsseldorf, einem wichtigen Standort der westdeutschen Rüstungsindustrie, waren es insgesamt etwa 50000 Menschen: Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Die größte Gruppe stellten die 'Ostarbeiter' aus den besetzten Gebieten der früheren Sowjetunion – von Greifkommandos des 'Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz' Fritz Sauckel, regelrecht eingefangen und in Güterwaggons ins Reich verschleppt. Im Durchschnitt waren sie keine 20 Jahre alt, auch Kinder fanden sich unter ihnen. (…)
Selbstverständlich beschäftigte auch das Düsseldorfer Haniel & Lueg-Werk Hunderte von ausländischen Zwangsarbeitern. Ein Teil von ihnen lebte direkt auf dem Werksgelände an der Grafenberger Allee 330. (…)
Unmittelbar gegenüber dem heutigen Standort der Haniel-Garage, wo die Lichtstraße in die Grafenberger Allee mündet, befand sich ein Zwangsarbeiterlager, das von der Stadt Düsseldorf unterhalten wurde: das Barackenlager 'Lichtplatz'. Heute ist die ehemals freie Fläche mit mehrstöckigen Wohnungen bebaut. Hier waren zunächst serbische Kriegsgefangene einquartiert, später auch belgische Zwangsarbeiter und ab August 1943 italienische 'Militärinternierte' – so bezeichnet, weil sie, nachdem die italienische Regierung im August 1943 die Seiten gewechselt hatte, keinen Kriegsgefangenenstatus erhalten hatten. Durchschnittlich lebten rund 200 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in diesem Lager, das von Stacheldraht umgeben und von Wehrmachtsoldaten bewacht wurde. Sie wurden vor allem zur Trümmerbeseitigung nach den immer häufiger werdenden alliierten Bombenangriffen eingesetzt. Direkt neben dem Kriegsgefangenenlager existierte von Juli bis Ende Oktober 1943, ein weiteres, bis heute kaum bekanntes KZ-Außenlager mit etwa 40 überwiegend sowjetischen Häftlingen. (…)
Nach dem Krieg diente das Barackenlager am Lichtplatz noch einige Monate als Unterkunft für noch nicht repatriierte ehemalige Zwangsarbeiter. Dann verschwand es, ohne Spuren zu hinterlassen. Weder am Lichtplatz noch auf dem Gelände der Gutehoffnungshütte (…) erinnert eine Gedenktafel an diesen Abschnitt der jüngeren deutschen Geschichte.“
Text: Joachim Schröder, Zwangsarbeit und Lagerkosmos
aus: Ausstellungskatalog – Paul Schneider Esleben Architekt, München 2015
Herausgeber. Andreas Lepik, Regine Heß, Seite 69 ff
L wie Lokomotiven aus Flingern
Die Dampfspeicherlok „Persil“ - Heute ein Denkmal in Hitdorf
Die Lokomotiven der Hohenzollern AG, an deren Geschichte unsere Stele 29 vor der
alten Energiezentrale in Flingern Nord erinnert, begegnen uns bei unseren Recherchen
immer wieder.
Auf Lieferlisten und in der Literatur sind „4665 von Hohenzollern nachweislich gelieferte
Lokomotiven ab 1874 bis 1929“ dokumentiert.
Überrascht hat uns, dass mindestens 56 noch existierende Lokomotiven der verschiedenen Baureihen als Ausstellungsstücke und Industriedenkmale in Museen auf der ganzen Welt zu finden sind oder bei privaten Eisenbahnvereinen gepflegt werden.
Die ältesten Hohenzollern Loks stehen im Eisenbahnmuseum Warschau (1880), im Dänischen Eisenbahnmuseum Odense (1882), im spanischen Alcasar de San Juan (1883), bei einer Farm Company in Kauai auf Hawai (1887) und im Historischen Museum Taipeh in Taiwan (1888).
Eine weitere Lok, die in keiner Liste zu finden ist, haben wir bei einer Radtour, nicht weit von Düsseldorf an einem Verkehrskreisel an der Ringstraße in Hitdorf entdeckt. Die sehr spannende Geschichte dieser „Persil Lok“ hat der LVR Köln auf seiner Websitesehr gut dokumentiert:
„Seit 2015 steht am neuen Verkehrskreisel an der Ringstraße in Hitdorf die Dampfspeicherlok 'Persil' als technisches Denkmal. Sie erinnert an die ehemalige Kleinbahn Langenfeld – Monheim – Hitdorf, die hier von 1908 bis 1986 vorbeifuhr.
Die in Hitdorf ausgestellte Lokomotive wurde 1914 von der Aktiengesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern (Fabriknummer 3307) gebaut. Die Maschine lieferte man an die Wasch- und Reinigungsmittel produzierende Firma Henkel, dort wurde sie unter dem Namen des Waschmittels 'Persil' im Werk Reisholz für den Rangierbetrieb genutzt. Es war die erste Lokomotive, die bei Henkel eingesetzt wurde. Zuvor waren in dem Werk die Waggons mit Seilwinden, Kippstangen Hebelstangen) und Muskelkraft bewegt worden.
1951 wurde die Lokomotive an die Firma Papier und Pappe in Viersen-Süchteln verkauft. Anschließend kam sie an die Vereinigte Verpackungsgesellschaft (früher Rheinische Pappenfabrik) in Monheim-Blee.
Seit 1982 stand die Lokomotive auf einem Spielplatz in Hitdorf.
2012 beschloss die Stadtbezirksvertretung, dass die im Rahmen der Errichtung des Hochwasserschutzes temporär gelagerte Baudenkmal Dampfspeicherlok 'Persil' saniert und im Randbereich des neuen Kreisverkehrs dauerhaft aufgestellt wird und als
Baudenkmal erhalten bleibt. .....
Bedeutung und Denkmalwert
Die Dampfspeicherlokomotive 'Persil' ist ein eingetragenes bewegliches Denkmal (Leverkusen lfd. Nr. A 273, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 48857).
Die Hitdorfer Dampfspeicherlok ist ein frühes und relativ gut erhaltenes Exemplar einer Lokomotivgattung, die im Entwicklungsprozess der Industrialisierung eine wichtige Rolle gespielt hat. Das Hitdorfer Beispiel ist von hoher Bedeutung, weil Dampfspeicherloks aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg nur noch spärlich überliefert sind. Mit dieser Lok wird zugleich der Dampfmaschinenbau einer bedeutenden Lokomotivfabrik (Hohenzollern) dokumentiert, sie ist Teil der Werksgeschichte eines bedeutenden Unternehmens (Henkel) und repräsentiert als Rangierlok in Monheim und Hitdorf einen interessanten regionalgeschichtlichen Aspekt.
Zwischen 1992 und 1996 erfolgte eine erste Restaurierung mit Unterstützung der Hans- Christian-Andersen-Grundschule, Hitdorfer Firmen und Vereinen. 1995 in die Denkmalliste eingetragen, wurde die Lokomotive 2015 mit Unterstützung der 'Gemeinschaft der Henkel-Pensionäre', der Werkslogistik der Firma Henkel und des Langenfelder Bauunternehmers Gernot Paeschke in Düsseldorf restauriert und anschließend auf dem neuen Platz am Kreisel Hitdorfer Straße / Heerweg / Ringstraße aufgestellt“
Dampfspeicherlokomotove „Persil“ in Hitdorf. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.
URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-106514-20141030-17
R wie Radartechnik
Christian Hülsmeyer und das Telemobiloskop (Fernbewegungsmelder)
- Der vergessene Erfinder des Ur-Radars - Aufgefallen war uns die alte Maschinenfabrik der Firma Hülsmeyer am Froschkönigweg im Flingeraner Märchenland schon vor vielen Jahren. Rund um einen großen Fabrikhof gruppieren sich Werkshallen, die früher von der Jugendberufshilfe Düsseldorf genutzt wurden. In einem neuen Planungsverfahren, das gerade läuft, ist hier am alten Kirmesplatz und entlang der Güterzugstrecke eine neue Bebauung vorgesehen.
Nachdem einige aus unserer Gruppe bei einer Radtour dort vorbei fuhren, sind wir in die Recherche eingestiegen und haben nach den Spuren des Pioniers Christian Hülsmeyer gesucht, der als „Erfinder eines Ortungsverfahrens mittels elektrischer Wellen (Vorläufer der Radarmessung)“ gilt.
Geboren ist er am 25.12.1881 in Eydelstedt und gestorben ist er am 31.01.1957 in Ahrweiler. Nach dem Besuch der Volksschule begann er schon 1896 mit der Ausbildung am Lehrerseminar in Bremen. Er begeisterte und „interessierte sich für die Echowirkung von elektromagnetischen Wellen und überlegte sich, dass man diesen Effekt für den Kollisionsschutz bei Schiffen nutzen könnte.“ Das Prinzip erscheint einfach: Weit entfernte metallische Gegenstände könnten durch die Reflexion der Strahlen erkannt werden.
1900 brach er sein Studium ab und begann eine Lehre bei Siemens in Bremen. Schon 1902 siedelte Christian zu seinem Bruder, dem Textilunternehmer Wilhelm Hülsmeyer, nach Düsseldorf über und arbeitete hier weiter an seinem Projekt.
Er gründete eine „Telemobiloskop-Gesellschaft“, meldete die Apparatur am 30.04.1904 zum Patent an und führte seine Erfindung am 18.05.1904 an der Kölner Hohenzollernbrücke einem staunenden Publikum vor. Aber auch eine spätere Präsentation im Rotterdamer Hafen und Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und der internationalen Presse brachte nicht den Durchbruch. Weder internationale Schifffahrtsgesellschaften, die Schiffbauindustrie, noch die Kaiserliche Marine zeigten Interesse, seine Erfindung als Sicherheitssystem im Seeverkehr zu nutzen. Christian Hülsmeyer gab auf, löschte die „Telemobiloskop Firma“ im Firmenregister und beschäftigte sich „nie wieder“ damit.
„1906 gründete Hülsmeyer in Düsseldorf eine Vertretung für die Produktion von Glühlampen und Werkzeugmaschinen, 1907 dann die Firma 'Christian Hülsmeyer Kessel- und Apparatebau' an gleichem Ort, die unter anderem Rostschutzfilter, Wasserfilter für Heißwassergeräte, Hochdruckarmaturen ... herstellte. Um 1910 erwarb er ein Firmengrundstück in Düsseldorf-Flingern. (...) Auch dank 180 anderer Patente im In- und Ausland wurde er ein wohlhabender Mann. Die Firma lief bis 1953 ... insgesamt zufriedenstellend.“
Nach Recherchen des Wilhemshavener Historikers Franz Feldhaus und Berichten in der Rheinischen Post gegen Ende der 1940er Jahre erlebte Hülsmeyer 1953 endlich Genugtuung, als er in der Öffentlichkeit „als der Pionier und Erfinder des Ur-Radars vorgestellt wurde“. Seine Patente und die Apparatur des Telemobiloskop sind im Deutschen Museum in München ausgestellt.
Kaspar Michels
Fotos, Informationen und Zitate aus J. Kruth: 100 Jahre Radar, aus Wikipedia und der
Rheinischen Post
R wie Rosmarinstraße 12
Von den Zuckerwaren bis zur Cosmetik.
Viele kenne diese alte Fabrikanlage, die etwas versteckt im „Hinterhof“ von Bruchstraße, Hellweg und Rosmarinstraße liegt, leider nicht. Über zwei Zugänge von der Rosmarinstraße zu erreichen, finden wir heute dort keinen Gewerbebetrieb mehr, sondern eine große Wohnanlage mit besonderem Flair.
Um etwas mehr über diese ehemalige Fabrik zu erfahren, suchen wir auf diesem Wege Informationen und Menschen, die dort vielleicht gearbeitet haben. Ein Freund unserer Gruppe lebt dort in der Rosmarinstr. 12 und versucht, die Geschichte zu recherchieren.
Es geht um folgende Firmen:
- Rheinische Zuckerwarenfabrik GmbH (1906 gegründet)
- Carl Höppner KG Parfümfabrik (1924 gegründet)
- Ellocar Gesellschaft mit beschränkter Haftung Werkstätten für Parfümerie und Kosmetik
(1938 im Handelsregister eingetragen und 1964 gelöscht)
- Ellocar Cosmetik GmbH (ab 1964 bis 1991)
Wenn Sie uns weiterhelfen können, melden Sie sich bitte bei uns. Vielen Dank!
S wie Solidarisches Rheinland
Um zu verstehen, in welchen politischen Rahmenbedingungen sich die Anfänge der Industrialisierung in Düsseldorf abgespielt haben, stellen wir hier einen Text von Hugo Weidenhaupt ein.
Vielleicht regt er diejenigen zum Nachdenken an, die heute immer noch von einer „Hassliebe“ zwischen den rheinischen Städten Köln und Düsseldorf reden...
„Zu weithin ausehenerregenden Vorgängen kam es im Sommer 1843. Der Rheinische Provinziallandtag sollte auf seiner siebten Sitzung in Düsseldorf einer von der Staatsregierung vorgelegten Entwurf zu einem neuen Preußischen Staatsgesetzbuch behandeln. Das im Rheinland geltende 'Rheinische Recht', das durch Napoleon eingeführt war, wurde aber von der Mehrheit der Bevölkerung als weit fortschrittlicher als das Allgemeine Preußische Landrecht empfunden, da es öffentliche und mündliche Verfahren vorsah, keine Bestimmungen über körperliche Züchtigungen enthielt und die Hinzuziehung von Laienrichtern gewährleistete. Gegen diesen Regierungsentwurf verbanden sich daher die Stände des Rheinlandes, und der Provinziallandtag lehnte ihn ohne jede Diskussion einstimmig am 21. Juni 1843 ab.
Dieser Schritt fand ein ungeheures Echo, das fast einer Revolution gleichkam. Dankadressen aus allen Teilen der Provinz gingen ein, und am folgenden Tag kamen am Abend über tausend Kölner Bürger mit zwei Schiffen in Düsseldorf an, um gemeinsam mit den Düsseldorfern einen Fackelzug durch die geschmückte und beflaggte Stadt zu unternehmen. Auf Anregung der Stadt Düsseldorf wurde außerdem dem Landtag am 4. Juli ein großes Festessen in Düsseldorf gegeben. Der Tenor der hierbei ausgebrachten Trinksprüche veranlaßte den Oberpräsidenten, den Regierungspräsidenten von Spiegel und die übrigen Beamten, den Saal unter Protest zu verlassen. Die Berliner Regierung reagierte scharf, verbot jede weitere Feier und versetzte den Kölner Regierungspräsidenten nach Erfurt, da er die Fahrt nach Düsseldorf nicht verhindert hatte.
Als Köln-Düsseldorfer Versöhnungsfest ist dieses Zeugnis rheinischen Selbstbewußtseins in die Landesgeschichte eingegangen.“
Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf,
Trilsch Verlag Düsseldorf, 9. Auflage, 1983, Seite 106 ff
S wie Springorum & Co. GmbH an der Gaußstraße 22
Blechwarenfabrik – Verzinkerei und Apparate Bauanstalt
Bei einem der Straßenfeste in Flingern kamen wir vom FlingerPfad bei der Präsentation von historischen Fotos mit Angehörigen der Familie Oerter ins Gespräch, die uns von der Geschichte der heute vollkommen in Vergessenheit geratenen Blechwarenfabrik E. Springorum an der Gaußstraße 22 berichteten.
Dort wo heute der Aldi Markt zu finden ist, war bis in die 1970er Jahre auf einer Fläche von ca.12.000 qm die Blechwarenfabrik und Verzinkerei E. Springorum angesiedelt. Das Werk hatte einen eigenem Gleisanschluss an die Untere Ruhrtalbahn und befand sich seit 1934 im Besitz der Familie Oerter.
Die Firma beschäftigte ca.130 Mitarbeiter:innen. Die Palette der hergestellten Produkte war riesengroß. Auf einer von der Familie zur Verfügung gestellten „Sonder - Preisliste für verzinkte Haushaltungs – Geschirre“ aus dem Jahr 1935 finden wir über 50 verschiedene Produkte: u.a. Wasser-, Kohlen-, Müll- und Ascheneimer, Kohlenkästen, Kannen, Tröge, Wasch- und Badewannen, Einkoch- und Waschkessel, Maschinen- und Futtertöpfe, Gießkannen und Jaucheschöpfer, Tröge, Siebe und Spülkästen, Kartoffeldämpfer, Samenstreukörbe, Jauchetonnen und sogar Grubenklosetts waren im Angebot.
Auch regulierbare Dachentlüfter und mehrwandige Warmwasserbereiter mit und ohne Heizschlange wurden dort hergestellt. Nach dem Krieg kamen Müllgefässe, Großbehälter und eine Lohnverzinkerei dazu. (K. Michels)
V wie VIBROMAX und „Rütteltechnik“
Aktualisierung der Losenhausen – Stele an der Schlüterstraße
Bei einer Führung rund um den alten Güterbahnhof an der Schlüterstraße im September 2023 anlässlich des „Tag des offenen Denkmal“ nahmen an der Losenhausen – Stele zwei Teilnehmerinnen Kontakt zu FlingerPfad auf, deren Vater dort gearbeitet hatte.
Ich erhielt die Möglichkeit, Unterlagen ihres z.T. privaten Archivs einzusehen und weiter zu recherchieren. So können wir besonders zwei inhaltliche Gesichtspunkte unserer Stele konkretisieren:
– Wer entwickelte Maschinen und Patente und machte das Losenhausenwerk zu einem sehr erfolgreichen Maschinenbauunternehmen?
– Wie ging es 1989 nach dem Ende des operativen Geschäfts in Düsseldorf mit VIBROMAX und der „“Rütteltechnik“ weiter?
K. Michels
Der am 19. Juni 1884 in Wasserbillig geborene spätere Diplomingenieur und „Marinebaurat“ Oskar von Bohuszewicz arbeitete im und nach dem 1. Weltkrieg auf der „Kaiserlichen Werft“ und bei den „Deutschen Werken“ in Kiel. Er wurde 1920 Direktor und Vorstandsmitglied des Losenhausenwerks in Düsseldorf. In dem seit der Verlegung 1889 inzwischen „erheblich gewachsenen Werk“ an die Schlüterstraße waren (in diesem 1. und auch in dem späteren 2. Weltkrieg) „Rüstungsaufträge ein wesentlicher Bestandteil der Produktion geworden.“
1923 wurde für die sog. Pulsatormaschine, die von Oskar von Bohuszewicz entwickelt worden war, das Patent angemeldet. Der „Pulsator“ wurde zur „Materialprüfung schwingend belasteter (Wechsellast) Bauteile bzw. Materialien“ eingesetzt. „Der Pulsatorenantrieb, der große wechselnde Kräfte sicher erzeugen und genau messen kann, hat sich für spätere Fortschritte in der Werksstoffprüftechnik als außerordentlich befruchtend erwiesen. (…)
1935 wurde dann das Grundsatzpatent für ein Gerät zur Verdichtung von Böden und sonstigen Massen erteilt. Es war die Grundlage des Plattenrüttlers VIBROMAX AT 5000, von dem ein Exemplar als Ausstellungsstück im Deutschen Museum in München gezeigt wird.“
Nach Ende des operativen Geschäfts übernahm der Konzern Bilfinger das Betriebsgelände in Düsseldorf. Die Marke VIBROMAX kaufte eine „Pressluft Franz Baumaschinen GmbH“ aus Frankfurt und verlegte sie in einen ehemaligen VEB Baumaschinenbetrieb nach Gatersleben in Sachsen-Anhalt. Nach einer Insolvenz 1995 kauften die Betriebsangehörigen H. auf der Springe und K. Antony den Betrieb und gründeten eine „VIBROMAX GmbH“, die 2005 vom britischen Baumaschinenkonzern JCB übernommen wurde.
Foto, Infos und Zitate aus Wikipedia (Losenhausenwerk) und dem Privatarchiv der
Familie v. Bohuszewicz
